Wachstumsmaschine

Ausgezeichnet mit dem Deutschen Preis für Immobilienjournalismus

Vom Meer aus gesehen, führt die vierspurige, menschenleere, perfekt asphaltierte Al Quadr Road schnurstracks in die Wüste hinein. Eine Zeitlang passiert sie noch eine jener nagelneuen, mit einem Meer identischer Mini-Villen gefluteten Gated Communities, die Phantasienamen wie „Emirates Hills“, „Meadows“ oder „Arabian Ranches“ tragen, dann ein paar wellblechbedeckte Kamelfarmen, bis schließlich nur noch Sand, Geröll und Gestrüpp den Straßenrand säumen.

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Zukunftsmusik

Im ersten Moment wirkt es seltsam, doch genau hier muss es sein. Hier, wo die Schuhsohlen in Möwenkacke baden und sich Hamburger Herbsthimmelgrau in den Kopfsteinpflasterpfützen spiegelt. Nebenan, unterm Vordach der Fischauktionshalle, picheln sich Obdachlose der Besinnungslosigkeit entgegen. Es nieselt.

Hier am Fischmarkt, hatte der Architekt Hadi Teherani versprochen, lasse sich jenes leise, ungeduldige Vibrieren spüren, das die Stadt seit einiger Zeit erfasst hat. Und wirklich, mit zusammengekniffenen Augen sind elbaufwärts die ersten Umrisse der Hafencity zu erkennen. Auf der anderen Elbseite erahnt man das backsteinerne Wilhelmsburg, einen vergessenen Stadtteil, den die Hamburger gerade wiederentdecken wie einen alten Freund, dessen Telefonnummer man lange verlegt hatte.

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Das Geheimnis der guten Wahl

Für die Moro war die Lage so düster, wie sie überhaupt nur sein konnte. Das kleine Hirtenvolk vom Rande der Sahelzone, das seit Menschengedenken mit seinen Rindern von Wasserstelle zu Wasserstelle zieht und nebenbei ein wenig Hirse anbaut, litt Hunger. Tsetsefliegen infizierten ihre Herden mit der tödlichen Rinderschlafkrankheit, Dürren zerstörten ihre Ernten, ihre Kinder starben häufig bereits im Säuglingsalter, und selbst von jenen Moros, die es ins Erwachsenenalter schafften, erreichten nur wenige das 50. Lebensjahr.

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Das rätselhafte Alter

Es ist Dienstag und Hirnscan-Tag am »National Institute of Health« (NIH) in Bethesda, Maryland. In den Fluren des Instituts lümmelt eine Handvoll mit Laptops und MP3-Playern ausgerüsteter Teenager, vertreibt sich die Zeit mit Computerspielen und wartet auf ihren Einsatz. Einem nach dem anderen klebt Dr. Jay Giedd eine Vitamin E-Kapsel in beide Ohren, bittet ihn, sich regungslos auf einer Liege zu platzieren und schiebt ihn in einen großen grauen Würfel.

Fünfzehn Minuten lang müssen die jugendlichen Freiwilligen im Kernspintomographen ausharren. Währenddessen tasten Radiofrequenzen und Magnetwellen Region für Region ihres Kopfinneren ab, Computerprogramme verwandeln die gewonnenen Daten in 3D-Grafiken, Supercomputer addieren die Profile unzähliger Teenagerhirne zu endlosen Zahlenkolonnen.

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