Zeit des Aufbruchs, Zeit der Ideen

A&W: Herr Rams, wenn Sie jetzt einmal die Augen schließen und an Design und Architektur der Fünfziger Jahre zurückdenken...

Dieter Rams: ... dann fällt mir vor allem ein Name ein: Florence Knoll. Die ersten Knoll-Möbel und die ersten Saarinen-Entwürfe eröffneten eine völlig neue, faszinierende Welt für mich. Anfang der Fünfziger Jahre haben wir mit der Werkkunstschule regelrechte Studienreisen zur Stuttgarter Niederlassung von Knoll International unternommen. Andere Reisen gingen in die Schweiz, wo wir uns vor allem Architektur angeschaut haben. Sie müssen bedenken: Das war zu einer Zeit, wo es im Nachkriegsdeutschland noch nicht viel gab und manche meiner Kommilitonen sich in der Schweiz die Taschen mit Bohnenkaffee vollgestopft haben.

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Sottsass' Siebziger

Als die bewegten Sechziger Jahren begannen, hatte ich bereits ein halbes Jahrhundert hinter mir. Und doch fing für mich mit dieser Zeit noch einmal ein völlig neues Leben an. Genauer gesagt, hatte es ein paar Jahre zuvor bei einem Mittagessen mit einem außergewöhnlichen Mann begonnen. Adriano Olivetti, Chef der traditionreichen italienischen Büromaschinenfabrik, war ein intellektueller Unternehmer, der sich mit Philosophen, Ethnologen und Schriftstellern umgab, Essays über Politik und Wirtschaftspolitik verfasste und auf eine im besten Sinne religiöse Weise für seine Mitarbeiter sorgte. Olivetti baute Wohnungen, Bibliotheken und Gesundheitszentren für seine Arbeiter und Kindergärten für deren Kinder. Und genau so intensiv interessierte er sich für die Gestaltung seiner Produkte. Deshalb lud er mich eines Tages zu einem Mittagessen ein. Am Ende hatte ich meinen ersten richtigen Job: Designer für „Olivetti“.

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Die coolen Achtziger

A&W: Madame Putman, erinnern Sie sich noch an Gordon Gecko?

Andrée Putman: Verzeihung: An wen?

A&W: Gordon Gecko war jener aalglatte Investmentbanker, den Michael Douglas in Oliver Stones Spielfilm „Wall Street“ spielte. Mit seinem gegelten Haar, den schultergepolsterten Sakkos, seinen rüden Geschäftsmethoden und dem Credo „Gier ist gut“ gilt er vielen als die Inkarnation des Achtziger Jahre-Zeitgeistes schlechthin.

Putman: Oh, das stimmt. Die Achtziger waren eine frivole, brillante, oberflächliche Dekade. Vieles drehte sich um Geld, Macht und Statussymbole. Ich habe damals für Ferrari in der Nähe von Paris eine Show gestaltet, deren Höhepunkt darin bestand, dass ein knallroter Ferrari an einem Ballon aufs Ausstellungsgelände schwebte. Es war die bestbesuchte Ausstellung des Jahres.

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